DIY | Næstved Museum

DIY

Die meisten Dinge können heute ganz einfach in einem Geschäft oder im Internet gekauft werden. Aber nicht alle wollen diesen einfachen Weg gehen - sie wollen es lieber selber machen.

Die DIY-Kultur (DIY steht für Do It Yourself) drückt oft eine Leidenschaft für das ursprüngliche Handwerk aus und eine Erforschung der Kunst des Möglichen in der Produktion von handgemachten technologischen Produkten. Es ist auch ein Interesse für eine andere Lebensweise, die gegen den schnelle Verbrauch in der modernen Konsumgesellschaft geht, wo anonyme Waren vom Regal genommen und gekauft werden, um nach kurzer Zeit wieder weggeworfen zu werden.

Silvia Mini Create Lampe. Vita Copenhagen. 2016. Aquarellpapier.

Mit ihrer Silvia Mini Create Lampe ladet Vita Copenhagen dazu ein, selbst seine kreativen Fähigkeiten zu entfalten. Die reinen, weißen Blätter des Schirms kann nämlich einfach von kreativen Seelen dekoriert werden. Die kleinen Blätter der Lampe sind aus Aquarellpapier[6] gemacht, und wenn man auf diesen malt oder zeichnet, kann man sein eigenes Kunstwerk und Design erschaffen. Oder man könnte die Lampe als ein alternatives Gästebuch benutzen. Die Möglichkeiten sind unendlich, und jeder hat die Möglichkeit seine eigene Lampe zu 'costumizen'.

Drone Jar. Rucci Handmade Electronic Instruments. 2013. Glas, drei Oszillatoren.

Nur wenigen Menschen haben mehr aus einem Einmachglas herausgeholt wie der kanadische Michael Rucci. Mit großem Einfallsreichtum hat er aus drei Quadratwellenoszillatoren einen Synthesizer gebaut, wie einen elektronischen Kreislauf, das ein sich wiederholendes elektronisches Signal produziert. Die drei Sensoren im Einweckglas reagieren auf Licht. Wenn das Licht die Sensoren trifft, fängt das Glas an, verzerrte, elektronische Geräusche zu erzeugen, die durch die Lichtstärke intensiviert werden[7]. Rucci erzählt, dass sein Drone Jar als eine Art physische Software funktioniert und sich an Musiker und andere, die mit Licht und Musik experimentieren, wendet.

Lego-Drohne. Flybrix. 2014-. Legosteine.

Die amerikanische Firma Flybrix™ entwerfen Do-it-yourself-Drohnen aus Legosteinen, die lustig und farbenfreudig sind und zum Spielen einladen. Flybrix™ verkauft Packungen mit den Einzelteilen, legen eine Bauanleitung bei und verweisen auf die kostenlose Software auf ihrer Homepage. Im besten Lego-Stil regen sie dazu an, sich selbst eine eigene Drohne zusammenzubauen[8].

Flybrix™ erklärt, dass ihr Fokus auf STEM Education liegt. STEM steht für Science, Technology, Engineering, Mathematics, und ist eine amerikanische Lernstrategie, in der die vier Disziplinen in Unterrichtsverläufen kombiniert werden, die auf Hands-on-Experimenten bauen

Der Hintergrund ist, dass man in den USA, genau wie in Europa, erlebt, dass immer weniger Jugendliche wählen, sich in den naturwissenschaftlichen Fächern auszubilden. Laut U.S. Department of Education gab es zu einem Zeitpunkt nur 16% der Jugendlichen, die sich einer STEM-Karriere zuwendeten. Deshalb lancierte die Obama-Regierung 2009 die "Educate to Innovate"-Kampagne, die Jugendliche dazu anregen sollte, sich im STEM-Themenbereich zu ertüchtigen.

Flybrix™ sagt: "Wir sind STEM Educational fokussiert und glauben, dass der beste Weg, Wissenschaft, Technologie, Ingenieurkunst und Mathematik zu erlernen, durch 'trial and error' geht."

Cigarbox Guitar. Jens Frederiksen (cigarboxguitar.dk). 2017. Zigarrenkisten.

Große Kreativität entfaltet sich auf der Insel Møn, wo Jens Frederiksen seine Werkstatt hat. Hier baut er Gitarren, aber nicht die traditionellen. Frederiksen hat sich vorgenommen, Gitarren aus allerlei Zigarrenkisten zu bauen, die somit alle ihren einmaligen und schrulligen Look und Klang bekommen. Die Geschichte der Zigarrenkistengitarre geht in die USA des 19. Jahrhunderts zurück während des amerikanischen Bürgerkrieges, wo die Gitarren aus Zigarrenkisten von den schwarzen Amerikanern benutzt wurden, die sich keine 'richtigen' Instrumente leisten konnten[9]. Jens Frederiksen hat jedoch das Design einen Schritt weiter geführt und es ermöglicht, die Gitarren mit Elektrizität und Verstärkern zu verbinden.

Marble Machine. Wintergatan. 2016. Holz, Glas, Metall u. a. m.

Marble Machine (die Glaskugelmaschine) ist, was man einen Automaten nennt. Eine mechanische Maschine, die automatisch einem vorprogrammierten Verlauf folgt. Die Maschine funktioniert so, dass man an einer Handkurbel dreht und verschiedene Griffe betätigt, die zusammen die 2000 Glaskugeln, einen elektrischen Bass, einen Hi Hat usw. zum Spielen eines Musikstücks bringen, das eigens für die Marble Machine komponiert wurde.

Die mechanischen Maschinen hatten ihren Höhepunkt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wo unzählige Kuckucksuhren, Spieldosen und mechanische Vögel produziert wurden. In der gleichen Zeit waren Dampfmaschinen die Treibkraft der beginnenden Industrialisierung.

Marble Machine ist ein moderner Automat, aber auch gleichzeitig ein Beispiel für den sogenannten Steampunk, eine Richtung in Kunst und Kunsthandwerk, der die Technologie und Ästhetik der Dampfmaschinen aus ihrer goldenen Zeit des 19. Jahrhunderts huldigt.

Martin Molin von der schwedischen Musikgruppe Wintergatan, der die Maschine eigenhändig gebaut hat, brauchte 14 Monate um Marble Machine zu konstruieren und zu bauen. In der Konstruktion gehen unter anderem 3000 Schrauben, 500 Legoteile und 2000 Glaskugeln ein.

Wintergatan hat mit der Marble Machine in der ganzen Welt Konzerte gegeben. Und zur Zeit ist sie im Speelklok Museum in Utrecht in den Niederlanden ausgestellt.

Pixel Vision. 2016. Love Hultén. Holz, Metall, Plastik.

R-Kaid-R. 2015. Love Hultén. Holz, Metall, Plastik.

Die eigene Faszination des Schweden Love Hultén für die ersten Videospiele wie Pac-Man oder Asteroids hat ihn dazu inspiriert, eine moderne, handgefertigte Ausgabe für den dedizierten Spielenthusiasten zu schaffen, wo man auch seine eigenen bevorzugten Spiele speichern kann.

Pixel Vision und R-Kaid-R (Arcader) huldigen beide die ersten Videospiele, die auf den Markt kamen. Pixel Vision ist von Game Boy Advance SP inspiriert, während R-Kaid-R eine handgefertigte Interpretation der klassischen Arcade-Spiele ist, wie wir sie aus den Imbissen und Kinos der 1970er kennen.

Triaccord. Love Hultén. 2017. Holz und Acryl.

Triaccord ist einer der drei handgefertigten Synthesizer, die sich auf die drei Sinne basieren - Sehen, Gehör und Berührung. Bei diesem orangefarbenen Exemplar dreht es sich um einen sogenannten Theremin. Ein elektronisches Musikinstrument, das ohne Berührung funktioniert, nach dem russischen Erfinder Léon Theremin benannt, der seine Erfindung 1928 patentierte. Der Thereminist bewegt seine Hände um die Antenne herum, die dann die merkwürdigen, etwas unheimlichen Geräusche erzeugt, die man aus Horrorfilmen kennt. Es ist auch in diesem Genre, das dieses Instrument am meisten benutzt wurde. Unter anderem wurde die Themamusik der Fernsehserie Inspector Barnaby (Midsummer Murders) auf Theremin gespielt.