Einführung | Næstved Museum

Einführung

PIMP YOUR RIDE!

Eine Ausstellung über Kunsthandwerk und Technologie

In der Ausstellung "Pimp Your Ride!" ist es die Verbindung zwischen Kunsthandwerk und Technologie, die in den Vordergrund gestellt wird. Technologische Gegenstände, die von Hand bearbeitet wurden oder von verschiedenen kunsthandwerklichen Techniken geprägt sind.

Obwohl es heute möglich ist, die meisten Gegenstände für den Alltag maschinell zu fertigen, ist dies anscheinend nicht, was die Verbraucher nachfragen. Diese Beobachtung und Verwunderung war der Ausgangspunkt für diese Ausstellung. Es ist weder der maschinelle Look noch das effiziente Design, die das Bild prägen, wenn man einen Blick in Zeitschriften für Raumgestaltung wirft, sich das Angebot an Do it yourself-Programmen im Fernsehen ansieht oder auf Kickstarter.com oder anderen Homepages für junge, hoffnungsvolle Designer surft. Ganz im Gegenteil werden die technologischen Gegenstände, mit denen wir uns umgeben - wie Lampen, Handys, Computer oder sogar Verkehrsmittel - mit einem Element von etwas handgemachten versehen, das den kalten, maschinellen Produkten Wärme und Persönlichkeit gibt. Wir sind an einem Punkt in der digitalen Entwicklung angelangt, wo die moderne Technologie an sich nicht mehr bahnbrechend ist. Wir sehen die digitalen Angebote und Produkte als mehr oder weniger gegeben an, und das ermöglicht, neue Wege in der Formgestaltung zu erforschen.

Als die elektrischen Alltagsprodukte sich Ende des 19. Jahrhunderts in der Privatsphäre verbreiteten, war es natürlich, auf die Traditionen in der Formgebung zu bauen, die man schon kannte. Ein Beispiel sind die elektrischen Lampen für das Heim, die den Petroleumlampen zum Verwechseln ähnlich sahen. Das gab Geborgenheit im Übergang zur modernen Beleuchtung. Auch die Formgebung war in erster Linie handgemacht. Das war eine Bedingung in der Produktion. Man hatte keine anderen Möglichkeiten, als weithin in der Hand zu verarbeiten, so wie man es schon immer getan hatte, bis neue maschinelle Methoden in Gebrauch genommen werden konnten.

Heute ist die Hinzufügung der handwerklichen Qualität zum technologischen Design eine Wahl. Die Designer und Produzenten verbinden Kunsthandwerk und Technologie, weil es modern ist, weil es zusätzliche ästhetische Qualitäten in das Design bringt, weil die Möglichkeit besteht, oder schlichthin weil es Spaß macht und herausfordert. Wir können diese Tendenz in den großen etablierte Designunternehmen erkennen aber auch unter den selbstständigen Designern und Do it yourself-Leuten, die erforschen, was technisch und handwerklich möglich ist.

Die Ausstellung ist in verschiedene Themen geteilt, welche die verschiedenen Designprodukte miteinander verbinden: Tradition vs. Neuerung, Kunsthandwerk als Storytelling, Sinnliche Technologie, Slow Living, Customizing und Game Changers. Viele der ausgestellten Gegenstände sind aus dem Ausland und Teil einer globalen Tendenz, die sich in den thematischen Überschriften widerspiegelt.

Die erhöhte Produktionszeit, die das handgemachte Design mit sich bringt, ist Ausdruck für eine Vertiefung und einem Überschuss, nach dem sich auch viele normale Menschen sehnen. Junge Mädchen gehen in Strickklubs, man verbringt einen Nachmittag in einer Makerspace-Werkstatt oder holt die alten Vinylschallplatten hervor. Slow Living ist eine Tendenz, zu der sich viele der ausgestellten Gegenstände bekennen. Sie ist retro-nostalgisch in dem Verstand, dass sie viele der alten Tugenden huldigt. Die Designer werfen einen spielerischen aber auch sehnsuchtsvollen Blick zurück auf die Kindheit der Industrialisierung und lassen sich in ihren neuen Designs von der Ästhetik und Technik der alten Maschinerie inspirieren. Gleichzeitig ist Slow Living aber auch ein Wunsch, einen Freiraum vom stressigen Dasein des Alltages zu schaffen.

Die ausgestellten Gegenstände sind in vielen Fällen sogenannte Design-Hybriden. Gegenstände, wo unmittelbar unvereinbare Dinge, Techniken oder Materialen auf neuer, erfinderischer und überraschender Weise zusammenfinden. Weisen, die und zum erneuten Nachdenken über unsere vorgefasste Meinung zu alltäglichen Designs anregt. Das könnte eine Lampe aus Robbenfell sein, eine Computertasche aus Fahrradschläuchen oder eine elektrische Gitarre aus Zigarrenkisten.

Technologie kann traditionelles Handwerk auf neue Märkte bringen und eine Entwicklung anreizen, kann aber auch zur Erhaltung eines Handwerks beitragen. Zum Beispiel die Zusammenarbeit zwischen dem dänischen Designunternehmen Diffus Design und dem schweizerischen Stickereiunternehmen Forster Rohner, die der traditionellen Stickerei den Einstieg in den Markt für technische Textilien ermöglicht hat. Das ausgestellte Klimakleid ist gleichzeitig ein Beispiel das sogenannte kritische Design. Das kritische Design verhält sich fragend zu beispielsweise Überkonsum, Umweltverschmutzung und anderen gesellschaftlichen Problemen.

Der Titel der Ausstellung ist dem amerikanischen Realityprogramm "Pimp My Ride" entnommen, das von 2006 von MTV International ausgestrahlt wurde. Das Programm, eines der beliebtesten MTV-Programme, zeigte, wie ein altes Auto mit zusätzlichen Teilen, Ausstattung und Dekor nach Wünschen des Eigentümers "gepimt" und personalisiert werden konnte. Auf gleiche Art wurde vielen der ausgestellten Gegenstände etwas zugeführt. Sie wurden personalisiert und tragen damit zu der Erzählung über die eigene Identität bei, die der Verbrauchen in Wechselwirkung mit den Gegenständen daheim und im Alltag bildet. Dies gilt insbesondere bei der speziell angefertigten Yamaha der dänischen Wrenchmonkees, die visuell solides Handwerk und eleganten Minimalismus ausdrückt, an welches man, wenn man Motorrad fährt, anknüpfen kann.

Wir möchten einen Dank an die ausstellenden Unternehmen und Designer richten, die auch Bildmaterial für diesen Katalog zur Verfügung gestellt haben. Ein herzliches Dankeschön geht auch an die Ausstellungsassistenten Trine Lykkebak Larsen und Stine Spandet Haurum für ihre Textbeiträge im Katalog der Ausstellung.